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Tamiko Thiel / Zara Houshmand

„Beyond Manzanar“ (2000)

Mehr als fünf Jahre dauerte die Entwicklung der interaktiven Virtual-Reality-Installation „Beyond Manzanar“ und wird gerahmt durch zwei terroristische Attentate, das Bombenattentat in Oklahoma City im Jahr 1995 sowie durch die späteren Ereignisse vom 11. September 2001, die jeweils innenpolitisch zum Abbau demokratischer Grundrechte führten und die Angst vor Muslimen und Menschen aus dem Mittleren Osten schürten.

Tamiko Thiels und Zara Houshmands "Beyond Manzanar" führt die Benutzer an einen fast vergessenen historischen Ort an der Westküste der USA. Manzanar war das erste von insgesamt zehn US-amerikanischen Lagern, die während des zweiten Weltkriegs eingerichtet wurden, um Amerikaner japanischer Herkunft (u.a. auch Tamiko Thiels Urgroßmutter im Lager Topaz) zu internieren. Mehr als 120.000 Menschen wurden nach 1942, also nach der Bombardierung von Pearl Harbour, zwangsweise in diese Lager deportiert und dort widerrechtlich gefangen gehalten.

Während der iranisch-amerikanischen Krise, die sich 1979/80 durch die Geiselnahme in der amerikanischen Botschaft in Teheran zuspitzte, wurden in den USA Stimmen laut, man solle Amerikaner iranischer Herkunft ebenso einsperren wie damals die „Japaner“. Diese anhaltende latente Bedrohung und die mediale Hysterie, die sich bei verschiedenen Attentaten in den USA immer wieder gegen Muslime oder arabisch aussehende Amerikaner/innen richtet, bilden einen weiteren Subtext von „Beyond Manzanar“. Die Entwicklungen seit dem 11. September 2001 zeigen, dass diese Be­fürchtungen nicht unberechtigt waren.

Mit dem Joystick in der Hand navigiert der Ausstellungsbesucher durch das lebensgroß projizierte 3D-Videobild des virtuellen Internierungslagers von Manzanar, wo authentische Bilder aus dem Lageralltag mit der Vorstellung des amerikanischen Traumes kollidieren, wo Baracken und Lagergärten den Weg in japanische und persische Vorstellungen vom Paradiesgarten weisen. Einem surrealen Palimpsest gleich überlagern sich die widersprüchlichen oder komplementären Erfahrungen unterschiedlicher Minderheiten zu einer poetischen und zugleich bedrohlichen Traumlandschaft.

Am 31. Mai 2005 um 19 Uhr führt Tamiko Thiel durch die Installation „Beyond Manzanar“ und spricht über ihre Arbeit.